Vegan Blog – Die Who macht Tiere froh

Endlich ist es raus: Fleisch- und Wurstkonsum erhöhen das Krebsrisiko erheblich. Insbesondere das Darmkrebsrisiko. Danke, Weltgesundheitsorganisation WHO, für diese Information. Der darauf gefolgte Aufschrei in der Bevölkerung übertönt allerdings die Botschaft. Nun wird mal wieder eifrig diskutiert. Menschen blicken verstört in der Gegend umher und fragen sich, was sie denn noch essen können. Ich frage mich, was diese Leute üblicherweise essen.

Ein Blick in den von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Fleischatlas und die darin veröffentlichten Statistiken zeigt, dass der durchschnittliche weltweite Fleischkonsum pro Kopf im Laufe des Lebens bei 945 Hühnern, 46 Puten, 46 Schweinen, 37 Enten, 12 Gänsen, 4 Rindern und 4 Schafen liegt. Auf den durchschnittlichen Jahresverbrauch des Bundesbürgers umgerechnet ergibt das rund 60 kg Fleisch. 30 kg davon sind Wurst und Schinken. So wurden 2013 in Deutschland pro Kopf 38,1 kg Schweinefleisch, 11,6 kg Geflügel, 8,9 kg Rindfleisch, 0,6 kg Schaf- und Ziegenfleisch sowie 1 kg andere Fleischarten konsumiert. Und wohlgemerkt, es handelt sich um durchschnittliche Zahlen. Also die 10% Vegetarier/Veganer in der Bevölkerung essen das Zeug nicht, somit gibt es Andere, die deutlich mehr Fleisch essen. Huiii, es schwirrt in meinem Köpfchen.

Alles klar, deshalb kommt so mancher Mitmensch daher wie ein schlachtreifes Mastschwein. Verständlich, dass diese bedauernswerten Leute nun überhaupt nicht mehr wissen, womit sie sich ihre Plauze vollstopfen sollen. Doch hält sich mein Mitleid in Grenzen. Dass die WHO die Fleisch-Warnung endlich öffentlich macht, finde ich richtig gut, aber auch reichlich verspätet. Doch besser spät als nie. Viele Studien, auf die sich die WHO in diesem Zusammenhang beruft, sind nicht erst seit gestern bekannt. Schon in der bereits 2004 erschienen „China Study“ von T. Colin Campbell, der mit seinem Buch die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise liefert, lässt sich das wunderbar nachlesen. Dort kann man auch erfahren, wovor die WHO mit Sicherheit in einigen Jahren
warnen wird, nämlich vor dem Konsum von Milchprodukten. Aber dafür ist die Welt anscheinend jetzt noch nicht reif.

Vorerst müssen sich die unverbesserlichen Fleischfreunde mit der aktuellen Warnung auseinandersetzen, beziehungsweise dagegen aufbäumen. Und sie erhalten auch noch Gehör. So wie unlängst der hochverehrte Udo Pollmer. War er doch zu Gast im Waldhaus Oelper, wo er auf Einladung des Braunschweiger Kreisverbandes der Landfrauen einen begrenzt humorigen Vortrag hielt zum Thema „Fleisch und Wurst – ich hab‘ Durst. Prost!“ oder so ähnlich.

Udo Pollmer ist Euch kein Begriff? Macht überhaupt nichts, da habt Ihr wenig verpasst. Es handelt sich bei ihm um einen adipösen älteren Herrn, der irgendwann im vergangenen Jahrtausend den Status des Lebensmittelchemikers erlangte. Auf seinem verjährten Kenntnisstand ist der Unglückselige leider hängengeblieben und verbreitet sein irrsinniges Wissen in Form von Büchern, Vorträgen und gelegentlichen TV-Auftritten. Die Landfrauen wiederum sind mehr oder weniger kugelförmige Damen vom Land, wie der Name schon sagt. Oft handelt es sich um Hausfrauen, die die die gute alte Tradition der fettigen Fleischküche in Ehren halten und aufgrund der aktuellen WHO-Warnung ihre konservativen Wertvorstellungen in Gefahr sehen. Da lässt man sich doch gern von Herrn Pollmer informieren, denn der spricht einem direkt aus der Seele und liefert prima Argumente für Fleisch und gegen Äpfel. Er spannt gern den Bogen zurück ins Nazideutschland. Da hat nämlich der Adolf für gesunde Ernährung geworben und folglich sollte man damit besser nichts zu tun haben. Viel schwachsinniger kann jemand, der der Fleischindustrie sehr nahe steht, kaum argumentieren. Für ihn sind Vegetarier und Veganer wenn nicht Nazis dann immerhin religiöse Fanatiker. Glücklicherweise hat Herr Pollmer herausgefunden, dass Tofu unfruchtbar macht. Somit besteht ja keine Gefahr, dass sich die Vegetarier und Veganer großartig vermehren.

Tolerant wie ich nun mal bin könnte ich sagen: Lasst doch die Leute so viel Fleisch essen wie sie wollen und das solange bis sich ihr Darm zersetzt und Blut aus ihrem Anus tropft. Leider geht es längst nicht mehr nur um den einzelnen „Genussmenschen“, der sich nicht bevormunden lassen will. Es geht ums Klima, den Welthunger, die Tierquälerei, um die Verantwortung, die jeder Einzelne von uns trägt. Insbesondere gefragt sind wir, die in einer Wohlstands- und Überflussgesellschaft leben. Auch bei mir liegt noch Vieles im Argen. Ich kann Euch aber versichern, dass es kinderleicht ist, tierische Produkte nicht anzurühren. Damit erreicht man schon recht viel hinsichtlich der Verringerung des eigenen CO²-Fußabdrucks. Anfangen sollte man immer bei sich selbst zuerst. Die Komfortzone zu verlassen ist mit konsequentem Handeln verbunden. Natürlich ist es viel bequemer, über unerfreuliche Themen nicht besonders nachzudenken sondern einfach so weiter zu machen wie bisher. Wenn das mal nicht in naher Zukunft ein böses Erwachen gibt…

Eure besorgte Anni Malis