Vegan Blog – Auf die Palme gebracht

Jedes Mal, wenn ich an Palmen denke, komme ich ins Träumen. Mit Palmen meine ich nicht Yuccas in unseren Wohnzimmern, sondern diese hochgewachsenen Stämme mit den großen, grünen Püscheln obendrauf. Meist wohnen diese Palmen in landschaftlich sehr viel schöneren und klimatisch sehr viel angenehmeren Gegenden als in Braunschweig und Umgebung – beispielsweise an herrlichen tropischen Baccardistränden oder in nordafrikanischen Dattelpalmenoasen.

Mehr als 2600 Palmenarten gibt es weltweit, die Wohnzimmeryucca mitgezählt. Auf meinen Reisen durfte ich schon viele Palmen bewundern und bin ein absoluter Fan von ihnen. Mein erstes und einziges, noch immer geliebtes Tattoo wurde mir unter einer Palme verpasst – Motiv: Palme, was sonst?

Die Palme ist aber in die Negativschlagzeilen geraten. Dabei kann die Palme selbst gar nichts dafür, der Mensch in seiner unermesslichen Gier ist mal wieder schuld und in diesem Fall können nicht mal wir Veganer uns herausreden. Es geht um Kokosprodukte und Palmöl.

Ich persönlich koche gern Thai-Style und am allerbesten schmeckt mir ein richtig scharfes Kokoscurry. Zugegeben, nicht besonders regional und bis vor wenigen Jahren kam mir nicht mal in den Sinn, dass in einer Dose Kokosmilch Tierleid stecken könnte.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich über meine kleine Trauminsel schlenderte, um mich herum diese beeindruckenden Kokospalmen, als ich einen dumpfen Aufprall vernahm. Ich schaute umher und sah einen Mann neben einer Palme stehen, der ein langes Seil in der Hand hielt, das aus dem Wipfel einer Palme hing. Beim genauen Hinsehen war festzustellen, dass am oberen Ende des Seils ein kleiner Affe befestigt war, der gerade mit seinen geschickten Händchen eine Kokosnuss um ihre eigene Achse drehte. Die Kokosnuss löste sich und der kleine Makake ließ sie los. Zwanzig Meter freier Fall und Wumms! Das also war das Geräusch. Fasziniert beobachtete ich das Tier bei seiner Arbeit. Da das Seil bestimmt nicht seiner Sicherheit diente, fand ich die Tatsache, dass der Affe an einer Leine festgebunden
war, reichlich unfair. Tiere in Gefangenschaft waren mir schon immer ein Gräuel. Das Äffchen erschien mir in diesem Moment jedoch nicht besonders unglücklich oder geschunden und sofort hatte ich eine romantische Geschichte im Kopf: Kleines, von der Mutter verstoßenes Babyäffchen, wird vom tierlieben Thai gefunden, aufgepäppelt und es entsteht eine Freundschaft für’s Leben. Sogar zur Arbeit gehen sie gemeinsam und das Äffchen dankt seinem Retter indem es ihm gerne hilft. Ja, auch Veganer können naiv und unwissend sein…Heutzutage weiß ich zumindest bezüglich der Kokosnussernte mehr.

Unzählige, über einen Zeitraum von zwei Jahren ausgebildete Affen aus der Familie der Makaken sind bei der Kokosnussernte im Einsatz. Sie ernten während ihres sechs- bis achtstündigen Arbeitstages bis zu fünfmal mehr Kokosnüsse als ein Mensch. Belohnungen gibt es selten bis nie, eher Prügel, wenn der Affe nicht fleißig genug ist. Allein in Thailand sind schätzungsweise 12000 Makaken als Erntearbeiter eingesetzt. In einem der Ausbildungscamps hängt ein Schild auf dem steht: „Affen beschweren sich nicht, verhandeln nicht um Löhne, sie betrügen nicht und haben keine Höhenangst“ Leider fehlt die Information, dass viele der Makaken, die im Ausbildungscamp landen aus dem Dschungel stammen, also aus ihrem ursprünglichen Lebensraum herausgerissen wurden. Und dass ein Affe sehr wahrscheinlich null Bock auf die Arbeit hat, zu der man ihn nötigt, kann ich mir lebhaft vorstellen. Das kommt einer Versklavung gleich.

Makaken leben üblicherweise in Gruppen von 10 bis zu 100 Tieren und ernten nicht den ganzen Tag lang Kokosnüsse. Es kommt hinzu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines Makaken bei etwa 30 Jahren liegt. Die harten Arbeitsbedingungen bei der Kokosnussernte verschleißen die Tiere enorm. Oft gehen sie nach der Hälfte ihrer Lebenszeit in Rente. Das klingt allerdings harmloser als es ist. Auswildern kann man diese Tiere keinesfalls, da sie nach so vielen Jahren in Obhut eines Menschen nicht in der Lage wären, sich allein zu versorgen. Auch sind sie nicht dahingehend sozialisiert in einer Makakengruppe leben zu können und dort akzeptiert zu werden.
Bleibt nur der Sklavenhalter, der meist sein Tier behält. Das ist oft ein trauriges Dasein für das Tier – einsam angekettet bis ans Lebensende irgendwo außerhalb des Hauses seines Besitzers, ohne soziale Kontakte zu Artgenossen.

Mit diesem Wissen schmeckt mir das Kokoscurry gar nicht mehr so gut. Die Nüsse für Kokosmilch aus Thailand und Malaysia sind mit allergrößter Wahrscheinlichkeit fast ausschließlich von Makakenhand geerntet. In Indien und Sri Lanka machen den Job hauptsächlich Menschen. Auch auf den Philippinen gibt es den Beruf des Palmenkletterers noch immer. Doch auch dort werden teilweise Affen zur Kokosnussernte eingesetzt. Die größten Produzenten für Kokosmilch und andere Kokosprodukte sind Indonesien, Philippinen, Indien, Brasilien, Thailand, Vietnam, Sri Lanka, Papua Neu Guinea, Malaysia, Myanmar und Tansania. Möchte man gar nicht auf Kokosprodukte beim Kochen und Backen verzichten, dann sollte man doch zumindest auf die Herkunft achten. Wer ganz sicher gehen möchte, kann sich mal bei www.kulau.de schlau machen. Dort stellt sich die Berliner Firma Kulau vor, die gute Bio-Kokosprodukte ohne Affen- und Menschenausbeutung herstellt.

Bei allem Kokosblabla gilt noch immer der Grundsatz: regional und saisonal ist zu bevorzugen. Also bitte nicht ständig irgendein exotisches Zeug vom anderen Ende der Welt verkonsumieren, nur weil es an jeder Ecke zu haben ist. Doch weitaus gravierender für Tiere, Menschen und unsere Umwelt ist die Produktion von Palmöl, das aus den Früchten der Ölpalme gewonnen wird.

Darüber lest Ihr demnächst mehr in der DRUFF!
Eure Anni Malis