Vegan Blog – Auf die Palme gebracht (Teil 2)

„Die Menschen gehen lieber zugrunde, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern.“ (Leo Tolstoi, russischer Schriftsteller, 1828 – 1910)

Seit Inkrafttreten einer neuen EU-Verordnung im Dezember 2014 ist es offenkundig: Palmöl bzw. –fett befindet sich in fast jedem zweiten Supermarktprodukt. Die neue Richtlinie schreibt vor, dass die Verwendung pflanzlicher Öle und Fette nun exakt deklariert werden muss. Die Jahre zuvor wurden nur ganz allgemein „pflanzliche Öle und Fette“ deklariert. Die Verbraucher haben also endlich die Chance, Produkte die Palmfett enthalten, im Regal liegen zu lassen. Aber warum sollten sie das tun?

Die stetig wachsende Produktion von Palmöl bringt Umweltschützer schon seit Jahren auf die Palme. Sie informieren seit langem über das Ausmaß des Desasters, senden Appelle an Politik, Wirtschaft und Verbraucher. Doch offenbar interessiert sich kaum jemand dafür. Anders ist der enorme Verbrauch dieses billigen Rohstoffes kaum zu erklären.

Was ist eigentlich das Problem? Die Ölpalme gedeiht am Besten in Äquatornähe. Blöd, dass dort schon der Regenwald beheimatet ist. Um die gigantischen Ölpalmen-Monokulturen anbauen zu können, muss der Regenwald weichen. Indonesien und Malaysia sind die weltweit größten Produzenten von Palmöl. Allein auf der indonesischen Insel Sumatra wird nach Angaben des WWF stündlich eine Fläche von 30 Fußballfeldern gerodet. Und nicht nur auf Sumatra werden geschützte Wälder von skrupellosen Verbrechern in Brand gesetzt.

Ist der Regenwald erstmal abgebrannt, können die Palmen gepflanzt werden und der Rubel rollt. Regenwald bringt schließlich kein Geld. Dass er die Lunge der Erde ist, sich durch seine Abholzung unser Klima maßgeblich verändert und vielen Tieren und Menschen der Lebensraum genommen wird, scheint nebensächlich zu sein.

Von den Brandrodungen des Regenwaldes sind beispielsweise die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans betroffen. Ihr Lebensraum geht verloren, sie werden getötet, verkauft oder verhungern. Bei dieser Vorstellung könnte ich direkt losheulen. Orang-Utans sind einfach unbeschreiblich. Ich durfte sie vor etwa zehn Jahren live in ihrem natürlichen Habitat auf Sumatra bewundern und werde dieses Erlebnis nie vergessen. Unbegreiflich für mich, wie Menschen fähig sein können, diesen Tieren Böses anzutun. Doch man ist zu weitaus mehr fähig. Im Zuge der Brandrodungen werden auch die Ureinwohner und Kleinbauern vertrieben. Nicht einmal vor Folter und Mord schrecken die Handlanger der Palmölmafia zurück. Schlicht gesagt, in jedem Glas Nutella steckt ein gehöriger Anteil Blut.

Tatsächlich strebte man in Frankreich vor kurzer Zeit eine sogenannte „Nutella-Steuer“ an. Auf Palmöl sollten hohe Steuern erhoben werden. Dieses Vorhaben wurde durch die Palmöllobby vereitelt. Nun wird ab dem kommenden Jahr pro Tonne Palmöl lediglich eine Abgabe von 30 Euro erhoben. Bis 2020 soll die Abgabe auf 90 Euro pro Tonne steigen. Gefordert war vom französischen Senat ursprünglich eine zehnmal höhere Abgabe. Das hätte die Produkte, die Palmöl enthalten, deutlich verteuert und dadurch den Absatz sicher verringert. Aber so wird in Frankreich gesundes, umweltverträgliches Olivenöl deutlich höher besteuert als Palmöl. In Deutschland ist ein Vorstoß bezüglich der Verteuerung von Palmfett nicht in Sicht. Nur nicht die Industrie vergrätzen. Die Schweiz verhandelt derzeit mit Indonesien und Malaysia über ein Freihandelsabkommen in dem Palmöl eine wichtige Rolle spielt. Die Einfuhrzölle auf Palmfett werden deutlich sinken. Ein Gewinner wird die Schweizer Firma Nestlé sein, die pro Jahr fast 450.000 Tonnen Palmöl verbraucht.

Im Jahr 2015 hat Indonesien 33 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Das entspricht mehr als der Hälfte der weltweiten Produktion. Bis 2025 soll die Produktion auf 40 Millionen Tonnen gesteigert werden. Die anderen palmölproduzierenden Länder ziehen sicher mit. Dafür muss selbstverständlich noch jede Menge Regenwald gerodet werden. Glaubt nur nicht, ihr seid nicht davon betroffen, nur weil sich das alles am anderen Ende der Welt abspielt. Informiert euch und zieht Konsequenzen daraus. www.regenwald.org/themen/palmoel www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/palmoel www.umweltblick.de/index.php/branchen/produkte-ohne-palmoel

Beim Einkauf darf man sich ruhig mal die Mühe machen und die Zutatenlisten durchlesen. Für mich gehört das zum Pflichtprogramm. Es dauert nicht lange und ist sehr aufschlussreich.

Auch in vielen veganen (Bio)Produkten, wie z.B. Brotaufstrichen, befindet sich Palmfett. Sogar in Lippenstift, Hautcreme, Seife und Waschpulver ist es drin. Und in Biosprit. Das ist doch der Witz schlechthin. Ich bin inzwischen fast weg vom Palmfett. Lediglich kleine „Ausrutscher“ gibt es noch, aber ich werde nachbessern, soviel ist sicher.

Wenn alle Konsumenten mitmachen würden, hätten die Orang-Utans, viele andere Tiere, Menschen und Pflanzen eine reelle Überlebenschance. Aber wie’s nun mal so ist…

Eure betrübte Anni Malis