Tanztheater Klub – Wo Sprache endet, beginnt der Tanz

Immer unterwegs und doch nie am Ziel. Entweder auf Reisen oder voller Fernweh. Wir projizieren unsere Wünsche und unser Glück in fremde Weiten, denken uns an andere Orte, sitzen in Bussen, Flugzeugen und Schiffen oder es scheitert wieder am lieben Geld.

‚Ok. Und los.‘ ist ein Tanzstück, das sich mit dieser Zerrissenheit beschäftigt. Was hält uns vom Reisen ab und was zieht uns von Zuhause weg? Dieses Phänomen soll in Körpersprache übersetzt werden und trifft dabei auf Improvisation und eröffnet ganz neue Blickwinkel. DRUFF! traf sich mit der Tanz- und Theaterpädagogin Anna Maria Warzecha, die sich für die Leitung des Stücks auszeichnet und sprach mit ihr über die Beweggründe.

Wie kam es überhaupt zu der Gründung Eures Tanztheaterklubs?
Anna Maria: „Der Tanztheater-Klub ist ein Projekt von „Tanzstelle Braunschweig“, dem Tanzlabel des LOT-Theaters. Unter diesem Namen werden Tanzstücke von internationalen Choreographen der freien Szene, wie Maura Morales und Felix Landerer, im LOT-Theater präsentiert. Das zweite Standbein von Tanzstelle Braunschweig sind die tanzpädagogischen Formate. Das sind zum Beispiel tänzerische Stückeinführungen zu den jeweiligen Aufführungen, Tanztheater-AGs an Schulen, Weiterbildungsangebote und der Tanztheater-Klub. Mit dem Tanztheater-Klub öffnen wir die Tanzbühne für junge Braunschweiger*Innen mit und ohne Tanzerfahrung, die hier selbst die Möglichkeit haben, ein Tanztheater-Stück zu entwickeln.”Tanz (6 von 19)

Kann jeder mitmachen?
Anna Maria: „Letztendlich alle 15- bis 27-jährigen, die Spaß an Bewegung haben und sich auf ein wöchentliches, regelmäßiges Training einlassen, sind bei uns gern gesehen. Tanzerfahrung im klassischen Sinn ist bei uns nicht erforderlich, frei nach dem Grundsatz: Jede Art der Bewegung kann Tanz darstellen.”

Wie seid ihr denn auf Euer ausgefallenes Tanzthema gekommen?
Anna Maria: „Wir haben nach einem Thema gesucht, welches alle interessiert und die Gruppe verbindet und sind beim Durchsprechen des Probenplans darauf gestoßen, dass immer mal wieder jemand nicht zu den Proben kommen kann. Warum? Weil der- bzw. diejenige vermutlich auf Reisen sein wird. Da dachten wir uns: Das ist unser Thema!”

Durch welche Besonderheiten zeichnet sich Euer Stück eigentlich aus?
Anna Maria: „Die Soli, Duette und Gruppenchoreographien sind dadurch entstanden, dass wir uns zunächst mit unseren Reiseerfahrungen, -ängsten und –wünschen beschäftigt haben und dann eine tänzerische Übersetzung dafür erarbeitet haben, ohne diese plakativ darzustellen.”

Was begeistert dich persönlich am Tanzen?
Anna Maria: „Körperliche Auseinandersetzung findet in unserer Welt viel zu selten statt. Schnelle Bewegungen im Gegenzug zu langsamen, kleinen; Dynamikwechsel und verschiedene Körperlichkeiten finde ich auf der Bühne besonders interessant. Außerdem kann Tanz vieles ausdrücken, was sich anders nicht erzählen lässt. Wo Sprache endet, beginnt der Tanz.”Tanz (1 von 19)

Worauf muss ein Lehrender bei der Tanzvermittlung besonders achten?
Anna Maria: „Meiner Meinung nach ist es bei Tanzvermittlung wichtig, dass mit den Körperlichkeiten und Ideen der Teilnehmer gearbeitet wird und es nicht um einfaches Lernen von Choreographien geht. Natürlich muss das dann noch in einen theatralen Rahmen gesetzt werden, aber es bleiben die Tanzstücke der einzelnen Tänzer*Innen.“

Am 4. und 5. Juni folgten im LOT-Theater den Worten Taten. Die Tänzer- und Tänzerinnen haben das Publikum auf eine Reise mitgenommen, die nicht nur dem Auge schmeichelte, sondern auch emotional absolut bereichernd war.

Interesse geweckt? Wer beim nächsten Tanztheater-Klub des LOT-Theaters mitmachen möchte oder Fragen zum Angebot von Tanzstelle Braunschweig hat, kann sich gerne bei Anna Maria Warzecha unter folgender Emailadresse melden: anna.maria.warzecha@tpz-bs.de oder sich auf der Seite des LOT-Theaters informieren: www.lot-theaters.de/tanzstelle-braunschweig