Es sind Songs wie „Eiserner Steg“ oder „Wie soll ein Mensch das ertragen“, die uns in der Vergangenheit über den einen oder anderen Schwermut hinweghalfen, den letzten großen Liebeskummer musikalisch untermauerten, oder an einem regnerischen Tag die süße Melancholie in uns entfesselten – Und doch machte die einmalige Stimme des Baden – Württembergers alles wieder gut. – Wie ein Freund, der uns mit seinen Texten in den Arm zu nehmen schien und einfach nur da war. Am 17. Februar erscheint nun Philipp Poisels drittes Debütalbum. Wir sprachen mit dem Musiker über die Bedeutung von Heimat, das erste Mal Nintendo, und natürlich: die Liebe.

„Ich freue mich total wieder mit meiner Band unterwegs zu sein, und ein paar Leute wieder zu sehen,“ erzählt uns Philipp gleich. Ende März startet dann nämlich seine neue Tour. Auch schon vor der Veröffentlichung seines neuen Albums „Mein Amerika“ ist Philipp sehr gefragt. „Ich glaube, ich würde gerne irgendwo hin wo ein bisschen Sonne ist, und keine Menschenseele. – Also gerade hätte ich einfach Lust alleine zu sein… Mit dem Fahrrad am Meer entlang zu fahren, oder sowas“, offenbart er im Interview. „Gerade da wird das Thema >Heimat< spürbar – Besonders aber, wenn ich nach Hause komme. Ich empfinde dann, besonders wenn ich weit gereist bin, dieses Heimatgefühl. Da kommen ganz viele alte Erinnerungen und Gedanken an Erlebnisse hoch. Schließlich merke ich dann auch wie lange ich die Leute dort schon kenne – Diese Ursprünglichkeit ist für mich irgendwie Heimat.“

Auch noch zum zweiten Mal Nintendo…

Die Kindheit nimmt in Philipps Album großen Raum ein. Uns veranschaulicht: „Meine Kindheit von heute aus betrachtet war wirklich toll! Ich habe direkt am Waldrand gewohnt und konnte wirklich viel draußen sein. Das ist auch ein Aspekt, den ich oft vermisse und eigentlich gerne wieder zurückhätte.“ 1983 geboren ist Philipp ein Kind der 90er – War früher vieles besser? – „Also was mir an dieser Zeit gefallen hat, und was ich auch heute irgendwie vermisse und wieder versuche in meinen Alltag zu integrieren, ist, die Dinge auch mal wieder anzufassen. Ich habe es schon früher gemocht, wie beim Kassettenrekorder wenn ich was aufgenommen hab, richtige Tasten in der Hand zu haben. Die Sachen zu riechen, spüren und zu fühlen – das ist etwas, das uns im Computerzeitalter ein bisschen fehlt.“

„Zum ersten Mal Nintendo“ ist der zweite veröffentlichte Song des Albums. „Ich habe immer auf dem Super Nintendo (NSES) gespielt, hatte selbst aber keine Eigene – dafür aber einen Gameboy.“ erinnert sich der Musiker zurück. „Damals waren die Kumpels, die so ein Ding besaßen besonders begehrt – Da war dann auch immer sofort klar, zu wem man nach Hause zum Spielen geht“, lacht er. „Klar, gab es da bestimmte Spiele, wie >Donkey Kong< und >Supermario<. Und was ich immer besonders cool fand war, dass man mit so zwei Drückern gegeneinander antreten konnte. Und auf dem Gameboy habe ich immer >Micky Mouse< gezockt. Da musste man so durch die Rocky Mountains, und schon da habe ich dann angefangen von Amerika zu träumen.“ Und auch heute spielt Philipp noch. Tatsächlich bekam er von einem Kollegen von Grönland Records die Neuauflage des NES geschenkt. Und sonst ist der Gameboy mit auf der Tour unterwegs – „Eine Runde Tetris zocken, das gehört irgendwie dazu.“

„Aber irgendwann muss dann mal was Neues her, auf das ich mich vielleicht mal freuen kann.“ „Ich wollte auf jeden Fall etwas machen, das sich nicht direkt mit >Projekt Seerosenteich< vergleichen lässt. Dazu habe ich versucht, mein Potential mehr auszuschöpfen – oft hatte ich einfach Lust lauter zu singen, oder Töne länger zu halten. Mir ist es halt wichtig immer in Bewegung zu bleiben, und ich wollte auch ganz bewusst mal eine andere Seite an mir entdecken“, erzählt uns der Sänger. Im August 2012 veröffentlichte Philipp das letzte Live-Album >Projekt Seerosenteich<, auf dessen er neunzehn seiner Lieder mit Streicherquartett- und Klavierbegleitung neu interpretierte. Das Album stieg direkt auf Platz eins der deutschen Album-Charts ein. Für die neue Platte braucht Philipp aber noch etwas Abstand, wie er erklärt: „Ich bin da noch voll drin. Vor allem kann ich aber sagen, dass es schön war für mich überhaupt etwas zu machen. Dennoch brauche ich da immer sehr lange mich auch an meine eigenen Songs zu gewöhnen. Wenn ich zum Beispiel alte Sogs vom >Projekt Seerosenteich< höre, fällt mir auf, dass ich manche Songs jetzt irgendwie anders machen würde, während ich damals dachte >Da ist mir ja echt was gelungen<! Nur irgendwann muss dann auch mal was Neues her, auf das ich mich vielleicht mal freuen kann.“ – Wir tun das übrigens schon jetzt! Spätestens am 18. August, wenn Philipp live auf der BraWo Bühne spielt, können wir uns selbst ein Urteil über das neue Album bilden. Was wir da erwarten dürfen? – „Klar wird es größer werden, die Band, würde ich sagen, steht mehr als sonst im Vordergrund. Und für die Freunde der alten CD`s kann aber gesagt sein, dass wir auch alte Lieber spielen. Den Rest werden wir danach wissen. – Ich freue mich aber auf Jeden, der sich darauf einlässt!“

Und auch obwohl Philipp ein geübter Profi ist, gibt es da immer noch diese Live Momente der Aufregung: „Ich denke immer ein paar Tage vor einem Auftritt, dass ich kein Lampenfieber mehr habe, und doch kommt die Aufregung immer wieder bevor ich die Bühne betrete“, lacht er. „Dagegen hilft dann aber, dass die Band und ich uns kurz vorher noch die Seele aus dem Leib schreien. Mir persönlich tut es gut, wenn Leute, die ich sehr gerne habe, bei mir sind. Und die allerletzten Minuten gehören dann ganz der Band. Die Leute, mit denen ich dann auf der Bühne stehe, brauche ich in diesen Minuten um mich. Denen geht’s, glaube ich, ähnlich – Denn zusammen ist man halt doch stärker.“ Weiter erzählt er: „Manchmal bin ich auch so in Gedanken, dass ich mich wundere, warum so viele Menschen um mich herum sind. Doch dann schaue ich in die Menge, und merke doch wieder was hier eigentlich abgeht. Mir fällt dann auch wieder ein, dass es ja die Leute sind, die extra zu mir und meinem Konzert kommen. Und das ist schon ein extremes Gefühl!“

Am 16. September wurde bereits der erste Song „Erkläre mir die Liebe“ aus dem dritten Studioalbum veröffentlicht. Klar, dass wir Philipp bitten mussten, uns abschließend etwas von der Liebe zu erzählen: „Es ist das Schönste, das es auf der Welt gibt. Ja, manchmal verliert man sie eben auch… Und manchmal fühle ich mich auf der Welt einsam, aber da ist es einfach toll, wenn man wirklich Leute hat, die man lange kennt. Vertrauen spielt da eine bedeutende Rolle. Ich finde zur Liebe gehört, dass man sich, auch wenn es schwierig wird, beisteht – Und dann kann man das Leben wieder in den guten Zeiten zusammen genießen.“ …Nehmen wir uns diese Worte zu Herzen! – Denn wenn einer etwas von der Liebe gelernt, und so leibhaftig weitergegeben hat wie bisher, dann doch wohl Philipp Poisel! An dieser Stelle: Danke Philipp, für die letzten gemeinsamen Jahre!