El Kurdis Kolumne

Matussek im Fell eines Faultieres gesichtet

Matussek im Fell eines Faultieres gesichtet Vorgestern sagte jemand zu mir: „Ich kannte mal einen Sittich, der wohnte im Dutt seiner Besitzerin.“ Ich erstarrte ob der glitzernden Schönheit dieses Satzes. Die Satzproduzentin hob die Hand zum Schwur: „Das ist die reine Wahrheit!“ Sie setzte an, um den Sachverhalt näher zu beschreiben, aber ich ruderte aufgeregt mit den Armen und verbat mir jede weitere realitätsbeglaubigende Erklärung. Weil ich wusste, das diese die Poesie des Bildes gnadenlos zerstören würde. Ich ging augenblicklich nach Hause, setzte mich in einen Sessel und meditierte – mit dem Dutt-Sittich als einer Art visuellem Mantra vor meinem geistigen Auge.

Klar war, dieser Satz würde meine bisherige Lieblingsformulierung in Bezug auf exzentrische tierische Wohnverhältnisse ablösen. Diese las ich vor Jahren bei einer Recherche über Faultiere. Sie lautete: „Im Fell des Faultieres fi nden Käfer, Raupen und kleinere Schmetterlingsarten ein Zuhause“. Jedesmal, wenn ich seitdem im Zoo ein Faultier sah, dachte ich: Na, ob da vielleicht grad ein Zimmerchen frei ist? Oder gar eine Zweiraumwohnung mit Balkon?

Bis heute bin ich übrigens froh, dass der Kopf meiner Tochter offensichtlich als Zuhause gar nichts taugt. Während das Haupthaar vergleichbarer Nachwüchse quasi im Zweiwochenrhythmus von Läusen besiedelt wurde, blieb der Kopf meiner Tochter während ihrer kompletten Kindheit lausfrei. Inzwischen ist sie sechzehn und gilt sowohl unter Ärzten wie im Kindergarten- und Schulmilieu als Naturwunder. Vermutlich wird sie nie arbeiten müssen, sondern sich lukrativ als Forschungsobjekt verdingen können.

Apropos „Zuhause“: Wo kommt eigentlich einer wie Matthias Matussek jetzt noch unter? Einer, der sogar für den Springer-Verlag und die „Welt“ zu rechts und krawallig ist? Wobei man ja fast Mitleid mit ihm hat. Wenn man nicht grade lachen muss.

Vor kurzem fühlte sich der Pop-Intellektuellen-Darsteller des Hauses Springer, der stellvertretende „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt noch in seiner Menschenwürde verletzt, weil ein Autor auf der Satire-Seite der TAZ – ich glaube, der Autor war ich, aber das tut nichts zur Sache – fragte, ob Pop-Ulf vielleicht medikamentös neu eingestellt werden müsse. Wegen akuter Enteignungs-Paranoia. Der neoliberale Poschardt hatte nämlich so getan, als stünde der Sozialismus vor der Tür, bloß weil die Stadtstaaten Hamburg und Berlin planten, leerstehende Gewerbeimmobilien und Mietwohnungen für Flüchtlinge – gegen Zahlungen ortsüblicher Mieten- zu beschlagnahmen. Diese Angst fand ich dann doch psychisch etwas auffällig. Poschardt twitterte darauf, Andersdenkende als geisteskrank darzustellen sei „1a Nazisound“ und rief mir ein „shame on you nazi-punks“ zu. Kurze Zeit später wiederum bezeichnete Poschardts direkter Vorgesetzter, der Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters seinen eigenen Kolumnisten Matussek als „durchgeknallt“ und wurde dabei von Poschardt unterstützt. Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Mattusek hatte noch am Abend des Terrorattentates von Paris auf Facebook gepostet: „Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen…“ Und hinter die drei Pünktchen hatte Matussek ein Smiley gesetzt. Da fühlte sich selbst der „Gesamtherausgeber der BILD-Gruppe“ (Wahnsinn, was es alles für Titel gibt!) Kai Diekmann genötigt zu kommentieren: „Ich fi nde deine Smiley-Reaktion einfach nur ekelhaft.“ Und das will was heißen – wenn der schlimme Kai, der
langjährige Hauptverantwortliche für den BILD-Dreck, also Professor Doktor Schmuddel a.k.a. der König der Witwenschüttler etwas eklig fi ndet. Das Ganze endete übrigens mit einer Redaktionskonferenz auf der Matussek Poschardt und Peters angeblich als „Arschloch“ und „durchgeknalltes Arschloch“ bezeichnete, woraufhin bei der „Welt“ eine Kolumnistenstelle frei wurde. Tja, selbstverständlich haben die Springer-Häuptlinge hier ausnahmsweise mal Recht und dennoch muss man fragen, ob so verantwortungsbewusste Mitarbeiterführung aussieht? Matussek erst wegen seines latenten Wahnsinns zu engagieren, ihn monatelang homo- und islamophob, rechtspopulistisch und
radikalkatholisch herumkrakelen zu lassen und ihn dann – wenn das sich bestätigt fühlende Kleinkind immer hemmungsloser wird – in die Wüste zu schicken! Oder als Kolumnist zur „Jungen Freiheit“.

Man darf tatsächlich gespannt sein, wo und wie Matussek wieder auftaucht. Ich hoffe mit einem Sittich im Dutt.