„Eigentlich geht es nur um Vögeln und Kacken. Also vielleicht meine persönlichste Platte (vielleicht auch nicht)“, singt Lukas Strobel a.k.a. ‚Alligatoah‘ selbstironisch im ersten Song seines neuen Werkes ‚Schlaftabletten, Rotwein V‘. Das Album, das auf die gleichnamige Mixtape-Reihe zurückgeht, ist musikalisch wie textlich äußerst vielseitig und hat die genial schräge Art, die kaum jemand so gut beherrscht wie der Teilzeit-‚Trailerpark‘-Mann. Im Januar und Februar geht´s auf Tour, in deren Zuge er am 24.01. nach Hannover kommt. DRUFF! sprach mit dem sympathischen 29-jährigen über die Platte, die anstehende Tour und ein ganz besonderes Release-Konzert.

Schlaftabletten, Rotwein V

Am Tag der Veröffentlichung von ‚StRw V‘ (14.09.) konnte man auf dem Alligatoah-YouTube-Kanal den Rapper und seine Band via Livestream in einzigartiger Kulisse erleben, nämlich am Fuße des Kilimandscharo in der kenianischen Savanne! „Diese Projekt hatte eine Größenordnung, die ich so noch nicht kannte. Dementsprechend hoch war die Anspannung“, erklärt Lukas. „Wir sind angereist, haben aufgebaut, doch dann hat sich am Drehtag eine massive Wolkenfront vor den Berg geschoben, sodass man dieses wunderschöne Panorama gar nicht mehr gesehen hat. Da war die Enttäuschung natürlich erstmal groß.“ In solchen Momenten müsse man, so Alligatoah, das Beste draus machen und improvisieren: „Ich hatte mir einige Ansagen überlegt, die sich auf den Berg bezogen haben. Die passten dann natürlich nicht mehr. Ursprünglich sollte das ‚Savannen-Konzert‘ auch ‚Kilimandscharo-Konzert‘ heißen.“

„Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr man einen draufsetzen kann, wenn man die Songs mit der Band spielt. Im Studio erlaube ich mir, dass das Ganze etwas trashig und einfach nur nach mir klingt.“

Auf YouTube findet Ihr einige „Appetithäppchen“ von der Release-Show. „Das ist einfach zu cool, um es den Leuten vorzuenthalten“, schwärmt Lukas, trotz wetterbedingter Planänderung, von dem Projekt. Egal ob mit Berg oder ohne, das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen! Vor allem der Sound ist sehr fett geworden, besonders gut zu hören im Clip von ‚Terrorangst‘. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr man einen draufsetzen kann, wenn man die Songs mit der Band spielt. Im Studio erlaube ich mir, dass das Ganze etwas trashig und einfach nur nach mir klingt“, lacht Alligatoah.

Im Gegensatz zu seinen Live-Konzerten arbeite er im Studio nämlich am liebsten allein: „Alles selber zu machen ist für mich schon fast eine Art Wahn geworden. Außer meinem Feature-Gast habe ich nur auf einem Song einen Schlagzeuger und den Kinderchor, der bei ‚Alli-Alligatoah‘ mitsingt.“ Dieser „Feature-Gast“ ist übrigens kein Geringerer als Felix Brummer von ‚Kraftklub‘, der auf ‚Beinebrechen‘ gemeinsam mit Lukas darüber singt, wie aggressiv ‚Smombies‘ und der damit einhergehende Lifestyle machen können. Einen solchen Disstrack gegen die Gesellschaft findet man auch bei ‚Hass‘. Hier richtet sich Alligatoah gegen Leute, die nicht richtig Autofahren können, verpackt ist das Ganze in harten Metal.

„Für mich steht die Reihe ‚Schlaftabletten, Rotwein‘ dafür, dass ich keinem roten Faden folge, sondern frei bin. Ich lasse mich da selber komplett von der Leine, suche keinen durchgängigen Sound und experimentiere viel.“

Solche stilistischen Ausflüge habe er sich bei der Platte einfach herausgenommen: „Für mich steht die Reihe ‚Schlaftabletten, Rotwein‘ dafür, dass ich keinem roten Faden folge, sondern frei bin. Ich lasse mich da selber komplett von der Leine, suche keinen durchgängigen Sound und experimentiere viel. Ich habe z.B. Instrumente gespielt, die ich gar nicht beherrsche. Da habe ich dann einfach so lange rumprobiert, bis die Töne kamen, die ich haben wollte.“ Seine Arbeitsweise beschreibt er so: „Ich bin einfach nicht der Typ, der sich für Wochen im Studio einschließt und alles am Stück macht. Ich lebe vor mich hin, sammele meine Ideen und ab und zu geht´s ins Studio. Da bastele ich dann weiter. Manche Sachen liegen ewig rum, bevor ich sie wieder anfasse. Insgesamt ist es ein sehr langer Reife-Prozess. Im Grunde genommen habe ich mit dem Ende des letzten Albums angefangen. Das war vor drei Jahren. Ich habe seitdem nicht aufgehört, Musik zu machen. Wenn ich nur die reine Studio-Zeit rechne, waren es wohl ein paar Monate.“

„Wie zu Hause“-Tour

Dabei ist es herausgekommen, das man „Album“ oder „Mixtape“ nennen darf, ganz wie man möchte: „Da scheinen die Leute echt verwirrt zu sein“, lacht Alligatoah. „Als wir uns zusammengesetzt haben, um das Ganze zu besprechen, haben wir uns dazu entschieden, es ‚Album‘ zu nennen, weil das mehr Leuten etwas sagt, auch wenn es sich auf die Mixtape-Reihe bezieht. Mir ist aber egal, wie man es nennt. Ich habe früher auch einfach Sachen ‚Mixtape‘ genannt, obwohl ich nicht mal wusste, was das ist!“ Dazulernen und offen sein, sind für den leidenschaftlichen Musiker und Musik-Fan Alligatoah elementar: „Ich finde es wichtig, sich immer wieder in Songs zu verlieben. Obwohl ich auch gerne mal einen Musiker treffen würde, der Musik hasst“, bringt er einen witzigen Twist in das Gespräch. „Wenn ich zum ersten Mal einen fertigen Mix höre oder einen Song zum erste Mal mit meiner Band spiele, gibt mir das Hochgefühle, zu denen andere Leute Drogen brauchen“, sagt er und appelliert: „Nehmt keine Drogen, macht lieber Musik!“

Auf Tour nutzt er selber vielfach die Gelegenheit, um mit seiner Band zu spielen: „Wir spielen nicht nur bei den Konzerten zusammen, sondern haben auch einen extra Raum und ein paar Instrumente mehr mit, um einfach mal drauf los zu spielen. So etwas macht mir besonders viel Spaß!“ Ohne Frage wird er es schaffen, diese Begeisterung mit auf die Bühne zu bringen, selbst wenn das Konzert am 24.01. in Hannover stattfindet. Über das gespannte Verhälnis zur Löwenstadt weiß der smarte Alligatoah natürlich Bescheid: „Ich kenne die Fehde. Mein Kumpel Timi Hendrix hat beim Trailerpark-Konzert in Braunschweig mal ausversehen ‚Hallo Hannover‘ gesagt. Da war die Stimmung kurz vorm Kippen. Sudden hat natürlich direkt protestiert.“ Der Braunschweiger Trailerpark-Rapper Sudden bringt dieser Tage übrigens auch ein neues Album (IHR BRAUCHT MICH, VÖ: 02.11.) und geht im April 2019 damit auf Tour. Aber erstmal freuen wir uns natürlich aufs Alligatoah-Konzert am 24.01.2019 in der Swiss Life Hall in Hannover. Tickets gibt´s (noch) hier, München und Wien sind bereits ausverkauft!


Alligatoah Live! @ Swiss Life Hall Hannover

24.01.19

19:30 Uhr