Bo’s Blog – Verwelkte Kleeblätter

Wir träumen von den saftig grünen Wiesen unserer Heimat. Von den gefallenen Bastarden während des Cogadh na Saoirse, vom süffigen Bier, das unsere Großväter brauten und von den verruchten Schönheiten in Monto. Wir tragen ihre Namen bei uns, geschrieben in einem Rosentattoo.

Tag ein, Tag aus gehen wir unserem Handwerk nach. Egal ob Trunkenbold, Rechtsanwalt, Schläger oder Grundschullehrer. Am Abend finden wir uns alle im Pub an der Ecke ein und gedenken an die alten Zeiten. Mit dem Dunst unserer Zigaretten über den Köpfen, sehnen wir uns in die Betten unserer Liebschaften zurück, erinnern uns an unsere ersten Faustkämpfe in den Hinterhöfen Old Bostons und singen unsere Lieder, die in den glorreichen Zeiten durch das ganze grüne Viertel hallten.

Unsere gebeutelten Körper zieren nicht nur verblasste Tattoos, sondern auch Narben. Narben, die wir mit stolz tragen und die uns daran erinnern, woher wir stammen und wofür wir stehen. Brennend läuft der Hochprozentige unsere Kehlen runter, befeuchtet sie mit einem warmen und Gefühl des feurigen Glückes, dass alles erträglicher macht.

Die vierblättrigen Kleeblätter sind schon längst verwelkt. Der Topf voller Gold wurde im Wahn des amerikanischen Traumes vergessen. Den Regenbogen sieht man in der grauen Asphaltlandschaft zwischen den Wäldern aus Hochhäusern nicht mehr. Unsere Kinder haben nie ihre nackten Füße auf die grünen Wiesen der Heimat gesetzt. Ihre Fußsohlen sind kohlenschwarz vom harten Boden der Realität.

Das versprochene Glück, was uns in unserer zweiten Heimat versprochen wurde, haben nur die wenigsten Glückspilze von uns gefunden. Wir anderen haben die Suche danach schon längst aufgegeben. Versuchen uns durch die Barrikaden zu kämpfen, die uns das Leben in den Weg stellt, um unseren Kindern eine besser Zukunft zu verschaffen, in der Hoffnung, dass sie aus diesem dreckigen Loch aus verblassten Träumen und gescheiterten Seelen entfliehen können.

Wir werden immer hier bleiben. Im Pub an der Ecke. Werden unsere Gläser leeren, unsere Lieder singen und uns nach den saftig grünen Wiesen unserer Heimat sehnen.