Vegan Blog – Artgerecht ist nur die Freiheit

„Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, gehen die Leiden, die es erduldet, uns alle an.“ (Albert Schweitzer)

Das Jahr 2016 ging gleich gut los: Der Tagespresse konnte ich entnehmen, dass im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres in Deutschland so viele Lebewesen wie nie zuvor ermordet wurden. Man hatte sage und schreibe 4,07 Millionen Tonnen Fleisch auf den Markt geworfen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 entspricht das einem Wachstum von zwei Prozent. Zauberwort ‚Wachstum‘ – autsch! Wenn es mit
den anderen Industriezweigen nicht so gut klappt, Fleisch läuft immer. Kann man übrigens auch gut nach Afrika exportieren. Wer ermordet eigentlich diese ganzen unschuldigen Tiere?

Vor vielen Jahren, ich war damals noch frischgebackene Vegetarierin, hatte ich eine Begegnung mit einem Typen, der mir merkwürdig erschien. Ständig zuckte sein Kopf hin und her und seine Augenlider flatterten permanent nervös. Das machte mich selbst schon ganz wirr. Im Laufe unseres Gespräches erfuhr ich, dass er in einem Schlachthof tätig war und dort im Akkord Rinder tötete. Er beschrieb mir, wie er den Tieren, die an Ketten mit dem Kopf nach unten hingen, mit einem Messer den Bauch aufschlitzte – und das im Minutentakt.

Mörder! Mörder! Mörder! schallte es in meinem Kopf. Aber irgendwie tat er mir auch leid, dieser etwas minderbemittelte Mensch, dem jegliches Mitgefühl fehlte. Zur Sicherheit fragte ich doch noch nach: “Das klingt aber nicht gerade nach einem angenehmen Job. Geht das denn so spurlos an dir vorbei?” Sein Kopf bog sich ruckartig noch heftiger als zuvor hin und her und seine Augen verdrehten sich seltsam, als er völlig überzeugt antwortete: “Also ich merk‘ nichts.”

Das ist eine wahre Begebenheit!!!
Ansonsten begann das neue Veganjahr in Braunschweig am 3. Januar mit einer gelungenen Protestaktion gegen Tiere im Zirkus. Eine Aktivistengruppe vom peta2 Streetteam Braunschweig traf sich am Schützenplatz zur Abschlussvorstellung des Weihnachtszirkus. Dort unterhielt ich mich mit Britta, der Koordinatorin der Gruppe.

Wer oder was ist denn das peta2 Streetteam Braunschweig?
Peta steht für “People for ethical treatment of animals”. Peta2 ist die Jugendkampagne von Peta Deutschland e.V. Diese hat bundesweit und in der Schweiz etwa 40 Streetteams. Obwohl sie sich Jugendkampagne nennen, sind Leute jeden Alters eingeladen in der Gruppe mitzumachen. Die Braunschweiger Gruppe setzt sich aus Tierrechtlern im Alter von 16 – 60 Jahren zusammen.

Wie sieht eure Arbeit aus?
Bei unseren regelmäßigen Planungstreffen machen wir uns darüber Gedanken zu welchen Themen man Aktionen im Bereich Tierschutz/Tierrechte machen könnte. Da ist die Bandbreite recht groß, Stichwort: Leder, Pelz, Zoo, Zirkus, Stopfleber, Tiermast, Tierversuche und vieles mehr. Gastiert aktuell ein Zirkus mit Tierdressuren in der Stadt, gerät dieser sofort in unseren Focus, wie jetzt z.B. der “Große Weihnachtszirkus”, der neben Eseln, Hunden, Ziegen und Pferden auch drei bengalische Tiger dabei hat. Wir arbeiten mit medienrelevanten Mitteln, um Druck auf die Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik auszuüben.

Was ist denn gegen Tiere im Zirkus einzuwenden?
Das wird doch sicher alles vom Veterinäramt kontrolliert. Die Auflagen entsprechen zwar dem Tierschutzgesetz und müssen eingehalten werden, doch oftmals werden Auflagen umgangen. Nach unserer Auffassung wird das derzeitige Tierschutzgesetz den Tieren nicht im Geringsten gerecht, da die Tiere sowohl im Zirkus als auch in Versuchslaboren, der Tiermast und auf Pelztierfarmen ihre natürlichen Instinkte und Bedürfnisse nicht ausleben können. Welcher Tiger würde denn freiwillig durch einen brennenden Reifen springen? Und um beim Tiger zu bleiben: Die meiste Zeit seines Zirkuslebens muss er in einem winzigen Käfig auf Rädern verbringen und wird durch die Gegend kutschiert. Die einzige Bewegung, die ihm gestattet wird, besteht aus vollkommen artwidrigem Verhalten in der Manege. Bei anderen Tieren verhält es sich ebenso.

Wie läuft bei Euch eine Aktion ab?
Im Vordergrund steht immer, dass wir auf Missstände aufmerksam machen wollen. Deshalb stehen wir mit Transparenten vor dem Zirkus und verteilen Infoflyer an die Besucher. Primär wollen wir die Menschen informieren, mit ihnen ins Gespräch kommen und sie darauf aufmerksam machen, dass die vegane Lebensweise nicht nur bedeutet sich rein pflanzlich zu ernähren, sondern viel mehr beinhaltet. Uns geht es darum zu verdeutlichen, dass z.B. die Massentierhaltung nicht nur Tierleid verursacht sondern das gesamte Ökosystem und damit auch uns schädigt. Wir machen sowohl Protestaktionen, Infostände mit veganen Probierhäppchen als auch provokante Aktionen. Bei einer sehr bekannten Peta-Aktion, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte, wurden Aktivisten mit Kunstblut präpariert und in Fleischschalen liegend in Frischhaltefolie eingewickelt. Diese Bilder regen manche Menschen zum Nachdenken an.

Wie kann man Euch unterstützen?
Peta kann man natürlich wie jeden anderen Verein durch eine Mitgliedschaft oder mit einer Spende unterstützen. Wer sich aktiv für Tierrechte einsetzen möchte, also wer bereit ist, dafür auf die Straße zu gehen oder an einem Infostand mitzuarbeiten, muss kein Mitglied sein sondern kann einfach im Streetteam mitmachen. Infos gibt es auf www.peta2.de. Kontakt zur Braunschweiger Gruppe kann man auch über facebook aufnehmen. Wir freuen uns über jeden, der sich zusammen mit uns aktiv für die Rechte der Tiere einsetzen möchte. Unsere
Planungstreffen finden jeden 1. Freitag im Monat um 19:00
Uhr im Tegtmeyer statt. Wer mag kann direkt dazukommen.

Liebe Britta, vieln Dank, dass es Euch gibt!