Studieren heißt für viele Leute vor allem nächtelanges Pauken, One-Night-Stands und Erklärungsnot beim wöchentlichen Telefonat mit Mutti. Aber die Zeit zwischen Abitur und Erwachsenenwelt hat noch mehr zu bieten. Zum Beispiel kann man häufig viele tolle Kulturangebote mitnehmen und das meistens auch noch günstig.

Schon zum siebten Mal findet die StudiKultNacht in Braunschweig statt. Am Abend des 4. Mai 2017 bekommt man für nur fünf Euro die Gelegenheit, an vier verschiedenen Standorten unterschiedlichste Facetten der Hochkultur kennenzulernen. Die ganze Nacht lang haben das Staatstheater, das Museum für Photographie, der Kunstverein und das Internationale Filmfest ihre Pforten für Braunschweiger Studenten geöffnet.

In der Villa Salve Hospes des Kunstvereins wird die Soundinstallation „Together Apart“ des britischen Künstlers Tim Etchells präsentiert. Der Regisseur, Autor und Leiter der postdramatischen Künstlergruppe „Forced Entertainment“ beschäftigt sich in seinem Werk mit der physischen Präsenz von Sprache. Zu Gast sein wird außerdem die Kroatin Nora Turato, die sich in ihrer Performance mit Alltagssprache auseinandersetzt. Etchells hingegen präsentiert englische Redewendungen, die einen Handlungsappell beinhalten. Also: Go with your heart and visit the kunstverein! Es gibt auch eine Bar!

„Sehn wir doch das Große aller Zeiten, auf den Brettern, die die Welt bedeuten“, schrieb einst der große Friedrich Schiller in seinem Gedicht „An die Freude“. Damit meint er den kultivierten Cousin vom Kino, das Theater. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie das so läuft mit diesen „Brettern“, kann sich im Staatstheater ein Bild davon machen. Hier hat man die Möglichkeit, an einer Führung durch das Große Haus teilzunehmen. Dazu gehören auch die Bereiche, die man als Zuschauer normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. Beim Workshop „Nice to meet you?“ kann man zudem selbst aktiv werden und seine Bühnenqualitäten austesten. Ganz exklusiv bekommt man außerdem die Chance, live bei einer Probe dabei zu sein. Nebenbei findet im Kleinen Haus ab 23 Uhr die StudiKultNacht-Party statt, damit der Abend auch angemessen ausklingen kann.

Allerspätestens seit das mächtigste Land der Erde einen orangefarbenen Wahnsinnigen zum Häuptling gewählt hat, weiß man, dass die Welt im Augenblick verrücktspielt. Auf einmal scheint George Orwells Dystopie „1984“, geschrieben in der Nachkriegszeit, erschreckend nah zu sein. „Alternative Fakten“ werden hier zwar vom „Ministerium für Wahrheit“ verbreitet, aber dennoch ist dieses Buch ein Lehrstück in der Frage, was es unbedingt zu verhindern gilt. Der gleichnamige Film zum Buch, der witziger Weise 1984 erschien, wird in dieser Nacht beim Internationalen Filmfest präsentiert. Michael Radford drehte den Film im „Orwell-Jahr“ und besetzte die Hauptfigur „Winston Smith“ mit dem jüngst verstorbenen Golden-Globe-Preisträger John Hurt. Der Film läuft auf Englisch mit deutschem Untertitel.

Das Museum für Photographie lädt ein zum Spielen und bietet mit „FotoBingo“ eine interessante Variante des Seniorenklassikers an. Die bekannten Regeln werden dabei mit unterschiedlichsten Fotografien kombiniert, wodurch das Ganze ein wenig aufgepeppt werden soll, ungefähr so, als wenn Oma Gertrud versehentlich zum nicht-entkoffeinierten Kaffee greift. Wem das zu aufregend ist, kann an Kurzführungen zu jeder vollen Stunde teilnehmen. Gezeigt wird die aktuelle Ausstellung „andere Situation. Romina Abate | Frank Dölling | Johanna Jaeger | Mickaël Marchand | Florian Slotawa”.