Mit ihrem Album ‚Royal Bunker‘ schufen zwei der Besten, die es je taten, eines der größten Hip-Hop-Monumente unserer Zeit! Die Rede ist von den beiden Rap-Legenden King Kool Savas und Sido. DRUFF! traf die Rapper in Berlin zum Interview.

Es war die wohl größte Überraschung im deutschen Hip-Hop, als Sido und Savas auf dem diesjährigen Splash!-Festival zum Abschluss auf der Bühne standen und ihr gemeinsames Album ankündigten.

Der Albumtitel ‚Royal Bunker‘ verweist auf die Anfänge der beiden Musiker. Seit 1997 war die gleichnamige Kellerkneipe in Berlin-Kreuzberg eine Anlaufstelle für Berliner Battle-Rapper, die dort gegeneinander antraten. Auch Savas und Sido machten dort ihre ersten Schritte im Battle-Rap. „Wir haben auch aus dem gleichen Grund angefangen. Das ist auch so ein Ding: Weshalb fängt man überhaupt an mit Musik oder Rap? Da gibt es oft Unterschiede“, erklärt Sido. „Bei uns war es aber der gleiche Grund: die Musik. Da ging es nicht darum, erfolgreich zu sein. Erst mal ging es wirklich nur um die Musik, weil man das gefeiert hat und selber machen wollte. Und dann ging es darum, cool zu sein für seinen Freundeskreis. Man hatte ja auch nie geglaubt, dass man erfolgreich sein kann.“

Heute blicken sowohl Sido als auch Savas auf überaus erfolgreiche Karrieren zurück, nachdem sie den Bunker hinter sich gelassen hatten – ‚An die Spitze aus dem Royal Bunker‘, wie es in ihrem Track ‚Royal Bunker‘ heißt. Obwohl die beiden Rapper unterschiedliche Wege gingen, trafen sie über die Jahre immer wieder aufeinander. Ob es ihre spannenden Duelle beim Rap-Quiz von 16.bars waren oder gemeinsame Songs wie ‚Masafaka‘ auf Sidos letztem Soloalbum ‚Das goldene Album‘ und ‚Triumph‘ von Savas‘ Mixtape ‚Essahdamus‘. Mit einem gemeinsamen Album der Rap-Legenden hatte dennoch niemand gerechnet, nicht mal die beiden. Ein gemeinsamer Freund brachte den Stein ins Rollen, wie uns Sido erzählt: „Wir haben einen gemeinsamen Freund, der eines Morgens nach einem Traum aufgewacht ist und der Meinung war, dass Savas und ich unbedingt ein Album zusammen machen müssen. Dann hat er uns unabhängig voneinander eine SMS geschrieben, in der stand: ‚Du musst unbedingt mit Savas ein Album machen‘. Und Savas schrieb er, dass er unbedingt mit mir ein Album machen muss. Unsere beiden Antworten waren im Prinzip auch die gleichen: Was würde er denn sagen? Und dann haben wir das Ruder schnell selbst in die Hand genommen, telefoniert
und alles abgeklopft – so ging es los.“

Letztes Jahr im November fingen Savas und Sido an, am Album zu tüfteln. „Man musste sich auch schon auf Themen einlassen, mit denen wir beide uns identifizieren konnten. Das war uns im Vorfeld wichtig. Wenn man dann so ein gemeinsames Thema gefunden hat, ging es relativ einfach“, beschreibt Sido die Zusammenarbeit der beiden Rapper am gemeinsamen Album. Savas ergänzt: „Wir sind eben nicht losegegangen und haben versucht, möglichst viele Singles zu schreiben, sondern teilweise ganz straighte Rapsongs auf klassische Rapbeats, die aber durch einen modernen Touch und Style alles andere als verstaubt sind.“
Insgesamt 14 Tracks haben es auf die ‚Royal Bunker‘-Platte geschafft, die zusammen ein vielschichtiges Album bilden. So machen die beiden Rapper bereits im ersten Track ‚Haste nicht gesehen‘ klar, welchen monumentalen Stellenwert die beiden Legenden im Deutschen Hip-Hop einnehmen – „Zwei der Besten, die es je taten!“ Weiter erzählt das Album von ihren Anfängen im Bunker, den Höhen und Tiefen im Leben, von falschen Freunde, die der Fame mit sich bringt, bis hin zum sehr persönlichen letzten Song des Albums ‚Leben geben‘, in dem die beiden Väter über das Kinderhaben rappen.

Man kann ‚Royal Bunker‘ als ein lyrisches Lehrbuch über deutschen Hip-Hop verstehen, mit dem zwei der legendärsten deutschen Rapper ihre Erfahrungen teilen. „Neben all dem Rap und
den lustigen Lines und dem Gefühl, was wir vermitteln wollen, wollen wir aber auch was mitgeben“, unterstreicht Sido. „Ich meine, wir sind beide erwachsen und weit jenseits der 30. Da haben wir auch einfach einen Anspruch an unsere Musik. Wir haben viel erlebt und können viel erzählen und das machen wir dann auch und das ist unsere Kunst. Darum geht es ja: Um unsere Werte, die wir da reinpacken möchten.“

„Ich glaube, wenn ein junger Künstler ein Vorbild oder ein Art Blueprint für seine Karriere sucht, ist er nicht schlecht beraten, zu sagen: Ok, wer ist denn am längsten dabei, wer ist stetig erfolgreich und bei wem hat man nicht das Gefühl, dass er komplett seinen Arsch verkauft hat, um irgendwo hinzukommen. Ich glaube, da kann man uns beide schon mit als Vorbild nehmen“, legt Savas nahe. „So wie Bushido für die Leute, die Straßenrap machen, ein
Vorbild ist, finde ich, sind es Siggi und ich doch auch für die Leute, die unsere Art von Rap feiern. Man kann schon von uns sagen: Ey, die haben fast schon eine Bilderbuchkarriere im Rahmen des Möglichen hingelegt!“

Dies wirft natürlich die Frage auf, ob ihre Karrieren anders, wenn nicht sogar um einiges einfacher verlaufen wären, wenn sie sich nicht damals im Bunker gemessen hätten und sich so Schritt für Schritt von Bühne zu Bühne an die Spitze des Deutschen Hip-Hops hochgekämpft hätten, sondern wenn sie wie viele junge aufstrebende Musiker durch Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram und durch die Videoplattform YouTube spielend leicht
einen Track samt Musikvideo hochgeladen und fast schon über Nacht zu Klick-Millionären geworden wären. „Wir haben natürlich auch von Anfang an das Internet mitgenutzt. Ich erinnere mich an meine erste Internetseite, wo ganz hässlich auf schwarzem Hintergrund ‚Westberlin Maskulin‘ stand und ich Shirts für 12 DM verschickt habe“, erinnert sich Savas zurück. „Es stimmt schon, dass man jetzt mehr Möglichkeiten hat und der Schritt zu einem
gewissen Bekanntheitsgrad ein ganz kurzer sein kann, aber das hilft dir manchmal auch nicht weiter.“

„Ich meine, wir mussten härter arbeiten, aber wir hatten am Ende auch wieder mehr davon. Ich finde, das ist die ausgleichende Gerechtigkeit. Heutzutage muss man nicht mehr so viel tun, um eine goldene Platte zu haben, aber die ist auch schlechter bezahlt als damals“, erzählt Sido.

„Auf der einen Seite sind Sachen leichter geworden, aber auf der anderen Seite fallen die Sachen dadurch auch schwerer. Das versuche ich auch immer jüngeren Künstlern zu erklären“, fährt Savas fort. „Es ist doch scheißegal, ob du Geld verdienst mit deinen
ersten fünf Touren! Geh und erspiel dir eine Fanbase und noch besser eine Corebase! Das ist etwas, auf das ich nie verzichten möchte. Ich bin mir sicher, dass es noch in 20 Jahren Leute geben wird, und wenn es nur 5.000 sind, die losgehen, wenn Sido oder ich etwas Neues rausbringen. Aus dem Grund, weil wir sie ein Leben lang schon begleiten. Da war nicht nur irgendein Song, auf den man irgendwann mal abgefeiert hat oder das erste Mal was dazu geschmissen hat und deswegen den Song gefühlt hat. Im Gegenteil, unsere Musik hat sie irgendwie geprägt. Wir hatten gar keine andere Wahl, als uns das so zu erarbeiten – Gott sei Dank!“

„Ich glaube auch, dass es heutzutage schwerer wird, um einen Künstler so einen Kult zu schaffen, wie es ihn damals gab“, gibt Sido zu bedenken. „Man kann mittlerweile alles über jeden Künstler wissen, während wir das damals über einen Zeitraum von zwei, drei Jahren zusammensammeln mussten. Da hattest du verschiedene Zeitschriften, die einmal in der Woche oder auch nur einmal im Monat rauskamen, und du hoffen musstest, dass irgendwas über den Künstler drinstand, den du gefeiert hast. Um ein Video zu sehen, musstest du den ganzen Tag vorm Fernseher sitzen, um es vielleicht einmal zu sehen. So wurde ein Kult um
den Künstler geschaffen. Du hast ihn geliebt und er hat dich mindestens ein Jahr oder mehr begleitet. Es gab Tapes, die hatte ich ein Jahr lang im Walkman, ohne sie rauszunehmen, und hab die jeden Tag gehört! Da ist für mich eine Art Liebe und Zuneigung für den Künstler entstanden. So was wird es heute in dieser Form nicht mehr geben.“

Es sind auch unter anderem Tapes von den US-Rap-Legenden 2Pac und Biggie, die auf Sidos Walkman rauf und runter laufen. Mit einem Augenzwinkern vergleichen sich die beiden deutschen Rapper mit den beiden größten Namen der Hip-Hop Geschichte, als Wiedergeburt derer. Aber wer von den beiden wäre denn Pac und wer Biggie? „Ich wäre lieber Biggie vom Rap her“, grinst Sido, während Savas sich wiederum als Pac-Fan bekennt: „Pac habe ich immer gehört und Biggie eigentlich nie, obwohl er der technisch bessere Rapper war. Uns ging es aber auch nicht darum, zu sagen: Ich trage jetzt Bandana und du musst dich jetzt voll fett
fressen. Das wäre schon relativ schwer Siggi (lacht).“

„Savas hat zu Bunkerzeiten auf dem Weg nach Hause in der U-Bahn immer von der Westcoast gepredigt und dass die Eastcoast Müll sei. Wir sind ihm alle hinterhergepilgert, weil wir wissen wollten, was Savas zu sagen hat“, packt Sido mit einem ironischen Grinsen aus. „Ich habe dann immer gesagt: Ja Savas, du hast recht! – Zu Hause habe ich dann heimlich meine ‚Boot Camp Clik‘-Platte über Kopfhörer gehört (lacht).“

Trotz Sidos Westcoast-Rap-Geständnis nach all den vielen Jahren freuen sich Savas und er auf die gemeinsame Tour und die Festivals im nächsten Jahr. „Wir wollen richtig auf die Kacke hauen, weil wir wissen, dass die Leute Bock drauf haben“, erzählt Sido im Hinblick auf die Tour. „Wir machen uns schon Gedanken, weil wir das komplette Album spielen wollen. Dazu kommen ‚Masafaka‘ und ‚Triumph’ und Songs aus unserem 20-jährigen Repertoire. Da muss man natürlich eine gute Auswahl treffen. Wir wollen es auch nicht so machen, dass jeder seinen eigenen Block hat, sondern eine Kurve finden, dass die Songs gut zueinander passen.“

Bis es aber so weit ist, können sich die Fans das wohl beste Hip-Hop-Album des Jahres gönnen und so einen Teil deutscher Rap-Geschichte erleben, geschaffen von zwei absoluten Legenden!