Das Theater Fadenschein hat sich seit Anfang der 1980er Jahre zu einem festen Bestandteil der Braunschweiger Kulturlandschaft entwickelt. Im Programm wechseln sich eigene Figurentheaterstücke mit qualitätsvollen Gastspielen aus der vielfältigen Szene des modernen Figurentheaters für Kinder und Erwachsene ab – immer am Puls der Zeit. Und dabei immer nah am Publikum, immer neu und nie langweilig. Zu Besuch ist ab dem 30. März „systemrhizoma“, die ihr neustes Stück „No Strings Attached“ auf die Bühne bringen. Wir trafen das junge Künstlerkollektiv bei den Vorbereitungen und erfuhren im Vorfeld was uns erwartet:

Gemeinsam verwandeln sie die Fäden des Marionettenspiels in ein Erlebnis audiovisueller Choregoraphien

Schnell ging es um die Frage: >Wer steuert wen oder was? Steuert die Hand vielleicht auch den Tänzer auf der Bühne? Oder den Sound?<“, beschreibt Alba die Anfänge des interdisziplinären Stücks. Die Führungsmechanismen von Fäden waren es, die das Kollektiv so interessierte: „Dem Figurentheater wohnt das Thema der Kontrolle ja schon inne – Es ist die Symbolkraft, die wir dabei nutzen“, ergänzt Maxim.

„Die Hand zieht die Fäden sowohl konkret als auch in symbolischer Ordnung unserer Gesellschaftsstruktur. Sie ist das Werkzeug unseres instrumentellen Zugriffs. Sie erschafft und modelliert Welt und Körper.“

Berühren und Begreifen, Kontrolle und Ermächtigung – das ist das zentrale Thema, dem sich Alba Scharnhorst, Johann Mittmann, Maxim Kares, René Reith und Thimo Kortmann, angenommen haben. Drei Jahre arbeiten sie schon miteinander, was in der Vergangenheit Erfolge hervorbrachte wie „a Amorie“. Über Projekte lernten sie sich damals an der Uni Hildesheim kennen, waren aber alle dem Theater, Tanz und der Performance schon immer auf die eigene Art und Weise, verbunden. 

Doch wie wird das Thema auf die Bühne gebracht?

Das Kollektiv hat sich dazu etwas Besonderes ausgedacht: „Wir verwenden ein Kreiselinstrument, der in einen Ring eingebaut ist. Ähnlich wie bei einem Gyroskop, das zur räumlichen Orientierung dreier Achsen besonders in der Luft- und Raumfahrttechnik dient, wird die Lage ausgelesen. Mit den Daten, die dabei entstehen, können wir sowohl die Musik, als auch die Projektion des Lichts steuern“, erklärt Johann – er hält die Fäden in der Hand, wenn es um Sounddesign geht. Rene beschreibt:

 

„Man kann sich das so vorstellen, dass unsere Bewegungen zum Schlüsselmechanismus werden: Die Bewegungssprache richtet sich nicht nach der Musik, sondern nach einem System. So können wir allein mit der Hand den Sound räumlich beeinflussen.“

Es ist also ein Ineinandergreifen von Musik und Performance, die dargestellt werden soll: „Wir wollen diese Zweck – Mittel Relation verdeutlichen. – Jedes Mittel ist ein Zweck, und jeder Zweck wiederum ein Mittel. Dieses Kausalitätsdenken ist sozusagen ein wechselseitiges Unterfangen, das uns tagtäglich in unserer Welt bewegt“, sagt Maxim. Diese Form der Übertragung von Medium zu Medium hört aber auch nicht auf: Metaphorisch gesehen hängt die Puppe quasi am Schicksalsfaden“, bringt Rene ein, „Und wenn man sich den Faden als Netzwerk denkt, wird deutlich, wie Macht und Kontrolle verschoben sind. – Und wie sie aber auch im Verhältnis zueinander stehen. Diese Verhältnisse werden auf der Bühne neu ausgespielt.“

 

Wir haben dazu viel beim Workshop mit der Figurenspielerin Miriam Paul gelernt. In diesem ging es viel darum, wie eine Figur geführt wird und inwiefern die Figur abhängig ist, von dem, der sie führt“, so Thimo.

Annemarie Bastian, Kommunikationsbeauftragte des Theaters unterstützt die Kooperationspartner von „systemrhizoma“ und Fadenschein: „Es ist schön, dass wir frischen Wind bekommen. Dazu möchten wir unsere künstlerische Bandbreite erweitern. Wir freuen uns auch, unseren Braunschweiger Gästen etwas Neues aufzuzeigen. Auf unseren Festivals ist gut zu sehen, dass es beim Figurentheater um viel mehr, als nur um Puppen, geht. Und: Bei jeder Aufführung bleibt es spannend. Es ist dieser performative Charakter, der immer etwas Neues bürgt. Es lebt sozusagen!“ Rene ergänzt: „Das Fadenschein ist aber auch ein Teil des Rhizoms. Wir sagen immer, wir sind ein offenes Kollektiv und öffnen uns für andere Institutionen, aber auch Anreize und Empfindungen .“ 

Ihr wollt wissen was Euch genau erwartet? – Kommt vorbei und werdet auch ein Teil des Rhizoms! Im Anschluss der Premiere wird es dazu eine After – Show Party gebe!

 

Termine: 30.03. (Premiere!), 31.03. und 01.04 jeweils ab 20 Uhr  | Homepage: http://www.fadenschein.de/