Eine Band zu gründen ist einfach: man muss sich zu Weihnach­ten Instrumente schenken lassen, ein paar Freunde überreden mitzumachen und viele Eierkartons mit Silikon an Kellerwände kleben, in der Hoffnung, dass das den Lärm und damit die Wut der Nachbarn mindert. Eine Band über Jahre und Jahrzehnte zusammenzuhalten, einen Bravo-Teenie-Hype zu überstehen, Trennungen und Brüche zu verkraften, erwachsen zu werden und schlussendlich auf eigenen Beinen zu stehen ist hingegen eine ganz andere Sache. Dazu braucht man Kraft, Mut, richtig dicke Eier und vor allem Freunde.

Die Killerpilze haben all dies und sind seit mittlerweile 15 Jahren unterwegs in der Deutschen Musiklandschaft: nach einem kome­tenhaften Aufstieg waren sie zunächst beim Majorlabel Universal Music und auf den Covern sämtlicher Jugendmagazine. Inzwi­schen sind sie völlig selbstständig mit eigener Plattenfirma und ab dem 5. Oktober mit ihrem ersten Kinofilm IMMER NOCH JUNG sogar auf der Leinwand zu bewundern. DRUFF! sprach mit Sänger und Gitarrist Johannes „Jo“ Halbig (28) über dieses Mammut­projekt, über Bandnamen und die Frage wie das eigentlich so ist, wenn der kleine Bruder am Schlagzeug sitzt.

„Früher hat mich sein pubertäres Gehabe auf Tour teilweise echt krass genervt“, lacht Jo. „Obwohl so viel älter und reifer war ich damals ja auch nicht.“ Drummer Fabi Halbig (24) ist von Anfang an dabei, genauso wie Gitarrist Maximilian „Mäx“ Schlichter (29), dessen Bruder David wiederum gemeinsam mit dem studierten Filmemacher Fabi IMMER NOCH JUNG umgesetzt hat. „Weih­nachten vor 15 Jahren hat Mäx seine erste Gitarre bekommen und David seine Kamera. Er hat dann unsere erste Bandprobe gefilmt und war seitdem eigentlich ständig dabei, wenn wir unter­wegs waren. Da gab es sehr viel Material zu sichten“, beschreibt Jo die ersten Schritte. „Aber geplant hatten wir das Ganze nie. Als wir letztes Jahr unser Album „High“ gemacht haben, ist uns aufgefallen, dass wir 2017 großes Jubiläum haben wofür wir et­was raushauen wollten. Aber eine Platte wollten wir nicht schon wieder machen.“

Das wäre auch viel verlangt, denn die Jungs haben in ihrer 15-jäh­rigen Bandgeschichte bereits 8 Platten veröffentlicht, davon 5 auf ihrem eigenen Label „killerpilzerecords“. Zuvor standen sie bei Universal Music unter Vertrag und wurden mächtig gehyped: „Zu dieser Zeit sind wir einfach nur durch die Gegend geballert und haben nicht nach Links und Rechts geschaut“, sagt Jo. „Es war natürlich geil, zum Beispiel auf dem Cover der Bravo zu sein, aber die Medien haben uns zu dieser Zeit auch ganz schön verbrannt.“ Nachdem sich das zweite Album „Mit Pauken und Raketen“ we­niger gut verkaufte als das Debüt „Invasion der Killerpilze“, folg­te schließlich die Trennung von dem großen Partner. Außerdem stiegt Bassist „Schlagi“ aus, der zu dieser Zeit mit typischen Rockstar-Problemen zu kämpfen hatte, was im Trailer von IM­MER NOCH JUNG anklingt. „Im Zuge der Filmproduktion haben wir ein Interview mit ihm geführt und uns quasi ausgesprochen. Auch bei anderen alten Weggefährten war das der Fall.“

Außerdem sind Klaas Heufer-Umlauf, Jennifer Weist, Sebastian Madsen und Felix von Kraftclub mit von der Partie und sprechen über Bands, das Medien- und Musikbusiness und die stetige Ge­fahr abzustürzen, wenn man mit dem Ruhm nicht zurechtkommt.

Als Soundtrack zum Film veröffentlichten die Killerpilze jüngst die Single IMMER NOCH JUNG aus dem aktuellen Album „High“ mit einem zugehörigen Musikvideo, das einen hübschen Vorge­schmack auf das bietet, was man später auf der Kinoleinwand sehen kann.

 Bis zum 09.10. sind die Jungs unterwegs und stellen ihr Werk umfassend in den Lichtspielhäusern der Republik vor, jeweils mit Autogrammstunde, Akustik-Show, sowie der Möglichkeit, der Band Fragen zu stellen. Dabei waren sie am 23.09. auch im Braunschweiger C1 zu Gast, aber sie werden der Löwenstadt in diesem Jahr noch einen weiteren Besuch abstatten: am 17.11. kommen sie im Rahmen ihrer IMMER NOCH JUNG TOUR in die Eule!