Seit Ende März sind die Neuigkeiten im Umlauf, die die Herzen der Braunschweiger Rockfans höherschlagen lassen: im Rah­men ihrer ‚Laune der Natour 2018‘ statten die Großmeister des Deutschpunks der Löwenstadt einen Besuch ab! Am 20.05. wer­den die ‚Hosen‘ die VW-Halle rocken und dabei viel neues und altes Material zum Besten geben. DRUFF! sprach mit Hosen-Gi­tarrist Michael ‚Breiti‘ Breitkopf über sein Verhältnis zu Braun­schweig, Campinos Reaktion auf den Streit um die Echo-No­minierung von Kollegah und Farid Bang und Rock-Konzerte in China.

Dort spielen die Hosen auf der aktuellen Tour zum ersten Mal und sind dementsprechend gespannt auf Land und Leute. „Mit der Band zu reisen, ist immer eine gute Möglichkeit, etwas vom täglichen Leben mitzubekommen. Besonders wenn wir andere Musiker treffen, braucht man nicht lange, um sich gut zu verste­hen“, erklärt Breiti. „In China gibt es ohne Ende Bands und viele von denen haben ganz ähnliche Wurzeln und Vorbilder wie wir.“

Die Band ist über die Jahre sehr viel rumgekommen: Südamerika, der ehemalige Ostblock und natürlich vor allem Deutschland. „Der eigene Koffer packt sich inzwischen von selber. Die Klamotten, die mitmüssen, wissen das schon und fliegen quasi von selbst rein“, lacht Breiti, als er auf das Tour-Leben zu sprechen kommt. Was das Musiker-Werkzeug angeht, sagt er: „Für unsere China-Reise gibt es Equipment, dass wir aus Deutschland mitnehmen. Vor allem Dinge wie Gitarren oder bestimmte Schlagzeug-Teile. Die sind schon sehr persönlich, so etwas kann man nicht einfach mieten.“

Als sich die Band 1982 gründete, war das Vorgehen noch ganz an­ders. Musik und Texte ihrer Debüt-Platte ‚Opel-Gang‘ waren noch sehr roh und ein echter Schlag ins Gesicht der Pop-verwöhnten Deutschen Hörerschaft. Zu dieser Zeit erfand Gottlieb Wende­hals mit ‚Polonäse Blankenese‘ gerade den wohl schlimmsten Party-Song aller Zeiten, ein 17-järhiges Mädchen namens ‚Nico­le‘ träumte von ‚Ein bisschen Frieden‘ und Falco zeigte mit ‚Der Kommissar‘, dass Kokain und Staatsgewalt sehr wohl zusam­menpassen.

Seither sind 36 Jahre vergangen, in denen die Hosen tourten, Platten aufnahmen und auch immer mal wieder mit Problemen zu kämpfen hatten. „Auf lange Sicht hat sich ausgezahlt, dass wir uns als Freunde in dieser Band zusammengefunden haben und nicht, weil wir besonders gute Musiker waren. Zwischen uns gibt es eine grundsätzliche Loyalität, die offensichtlich unzerstörbar ist und wir können auch jederzeit privat zusammen Spaß haben“, erklärt Breiti das Geheimnis der langen gemeinsamen Karriere und fügt lachend hinzu: „Was natürlich nicht heißt, dass die ande­ren nicht oft genug ganz schön nerven können!“

Natürlich muss man sich als Band auch immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um das Ganze spannend zu halten. Und genau das tun die Hosen immer wieder: bevor sie im letzten Jahr mit ‚Laune der Natur‘ ihr sechszehntes Studioalbum veröffent­lichten, nahmen sie gemeinsam mit dem Sinfonieorchester der Robert-Schuhmann-Hochschule Düsseldorf das Album ‚Entarte­te Musik – Willkommen in Deutschland‘ auf. Auf diesem spielen sie Musik, die zur Zeit des Nationalsozialismus verboten war. Sie engagieren sich vielfach und besonders die Fans liegen der Band am Herzen.

Wenn es sich passt, spielen sie auch mal ein Wohnzimmer-Kon­zert: das Ganze nennt die Band, in Anlehnung an eine legendäre Platte der Beatles, dann ‚Magical Mystery Tour‘. „Das machen wir schon ganz schön lange“, erklärt Breiti. „1986 waren wir für so ein Konzert auch einmal in Braunschweig. Da gab es eine großartige Gulasch-Suppe und ich habe nur die besten Erinnerungen an den Abend“, lacht er. „Meine erste Verbindung mit der Stadt hat aber natürlich mit Fußball zu tun. Fortuna Düsseldorf und Eintracht Braunschweig sind sich ja über die Jahre immer wieder in ver­schiedenen Ligen begegnet und ich wusste schon mit 6 Jahren, dass es Braunschweig gibt.“

Das Thema Fußball und die Fortuna aus ihrer Heimatstadt Düs­seldorf liegt den Jungs besonders am Herzen. Zudem sieht man, vor allem gegen Ende der Hosen-Konzerte häufig ein Meer aus Fan-Schals und Flaggen im Publikum wehen, ganz wie im Fuß­ballstadion. Sänger Campino zieht auf der Bühne meist auch ein sehr sportliches Programm durch, läuft, springt und klettert, wenn es der Bühnenaufbau denn zulässt. „Konzerte zu spielen ist nach wie vor das, was wir als Band am liebsten machen“, sagt Breiti. „Wenn wir auf die Bühne gehen, ist es für uns tatsächlich so ähn­lich wie mit einer Fußballmannschaft zu einem wichtigen Spiel auf den Platz zu gehen.“

Für Campinos Reaktion auf den Streit um die Echo-Nominierung von Kollegah und Farid Bang, in deren Texten unter anderem die Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ vor­kommt, hat er nur Lob übrig. „Am Ende war es gut zu der Veran­staltung zu gehen und nicht einfach wegzubleiben. Dass er sich auch zur Sache geäußert und damit eine Haltung gezeigt hat, finde ich total richtig. Letztlich ist es ein sehr schwieriges The­ma in alle Richtungen und die Frage, wo in der Kunst Grenzen überschritten werden, muss immer wieder diskutiert werden. Die Organisatoren des Echo halten sich in solchen Fällen ja gerne zu­rück, sodass es an den Künstlern hängen bleibt, damit umgehen zu müssen.“

Die Toten Hosen gewannen mit ‚Laune der Natur‘ in der Kategorie „Rock National“ und setzten sich damit gegen die Beatsteaks, Eis­brecher, Kraftklub und SDP durch. Die Entstehung der Platte be­schreibt Breiti so: „Man fängt mit jedem Album wieder bei Null an. Man ist dauernd unsicher darüber, ob man gerade etwas Gutes macht. Jeder wird dauernd bis an seine Grenzen gefordert und muss seinen Teil beitragen, damit am Ende ein gutes Album dabei herauskommen kann“.

Und das ist den Jungs wirklich gelungen: 15 geile Rocksongs, Balladen und Punk-Nummern, alles was das Herz begehrt. Auf der anstehenden Tour bekommt Braunschweig am 20.05. dann die Gelegenheit, mit den Punk-Heroen aus Düsseldorf zu feiern, zu schwitzen und einfach einen geilen Abend zu haben. „Wir freuen uns sehr, nach Braunschweig zu kommen. Danach spie­len wir ja viele große Open-Air Konzerte. Vorher noch einmal in einem kleineren Rahmen zu spielen, ist eine gute Vorbereitung und Abwechslung“, freut sich Breiti auf das Konzert.