Bo’s Blog – Zu alt für den Scheiß

„Ich bin zu alt für den Scheiß.“ – Ein Satz, der sich mit einem Vierteljahrhundert in den Knochen immer mehr und mehr bei mir einbrennt. Doch wie kann man in der Blüte seines bisher kurzen Lebens schon so verbittert und zu alt für diesen und jenen Scheiß sein?

Da gibt es diesen einen Sommer im Leben, in dem man in den Schulferien seine Freiheit genossen und öfter in der Woche auch begossen hat. In meinem engsten Freundeskreis heißt dieser Sommer der „Joker-Sommer“, dessen Anekdoten immer mal wieder herausgekramt werden, wenn das ein oder andere Bier verköstigt wird. Als junge Erwachsene hatten wir damals die unglaubliche Ausdauer, mehrmals in der Woche feiern zu gehen, literweise Vodka-E zu trinken und bis frühmorgens um die Häuser zu ziehen. Für diesen Scheiß bin ich schon seit mehreren Jahren zu alt. Klingt spießig? Und wenn? In der Hinsicht habe ich meine Hörner abgestoßen.

Ein Phänomen der besonderen Art, an dem man sich auch die Hörner abstoßen kann, aber vielmehr seinen Kopf gegen eine Zementwand stößt, ist die Frauenwelt. Bin ich zu alt für die Liebe? Niemals! Zu alt für Sex? Gott bewahre! Nein, es ist das Drama, für das ich zu alt bin. Das Drama, das mit jeder Frau einhergeht, für die man nicht bestimmt ist. In Sachen Liebe bin ich sowohl ein Romantiker als auch ein Realist. Doch verfalle ich immer wieder der Romantik und lasse die Vernunft hinter mir, bis mich die Realität mit einem harten Tritt in meine Weichteile auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Man kann sich über einen kurzen oder langen Zeitraum etwas vormachen, doch irgendwann wird man merken, woran man ist. An dieser Stelle möchte ich Jean-Paul Sartre falsch zitieren: „Vielleicht sind es schöne Zeiten; aber dies sind nicht die unseren.“ Manche nutzen das Drama, um den Fundamenten ihrer Beziehung einen kleinen Stoß mit der Abrisskugel zu geben, damit diese kurz erschüttern, um anschließend in Versöhnungssex wieder gefestigt werden zu können. Das ist noch die harmlose und meist reizvolle Art des Dramas, die frischen Wind mit sich bringen kann. Doch diese kleinen Brisen können auch schnell zu einem Hurrikan umschwingen, der nur Leid hinterlässt – und ich bin definitiv zu alt, um in einen Hurrikan zu geraten.

Ich bin aber nicht nur für diesen und jenen Scheiß zu alt, sondern leider auch gezwungenermaßen für manch gute Sache. Ich bin beispielsweise zu alt, um mein Basketballtalent auszubauen und Profisportler zu werden, und bin zu alt, um von heute auf morgen mit dem Rauchen aufzuhören. Weiter möchte ich diese Gedanken an dieser Stelle jedoch nicht ausführen, weil ich einfach zu alt für den traurigen Scheiß bin. Ebenso wie ich zu alt bin, mich in die Südkurve im Stadion zu stellen, ich bin zu alt für Pickel, zu alt für Achterbahnfahrten, zu alt einen erfolgreichen YouTube-Kanal zu betreiben, zu alt gewissen Menschen zu verzeihen und laut Kassiererin bei einer bekannten Fast-Food-Kette absolut zu alt für ein Kindermenü mit Spielzeug.

Kurz um: Ich bin zu alt für den Scheiß, aber zu jung für dieses Leben.